

Seelische Krisen sind Risiko und Chance zugleich
In einer seelischen Krise haben Menschen die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht; sie befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Meist sind sie verunsichert, besonders empfindlich und verletzbar; dadurch aber auch in verstärktem Maße und in unterschiedlicher Richtung beeinflussbar, empfänglich und offen für Einflüsse von außen.
Gefährdung und Neuorientierung liegen in der Krise dicht beieinander.
Gelingt es in einer krisenhaft zugespitzten, unübersichtlichen Lage nicht, eine Wendung herbeizuführen, besteht das Risiko, dass sich negative Gefühle, Verstimmungen oder ungünstige Verhaltensweisen verfestigen und längerfristige seelische, körperliche oder soziale Störungen auftreten. Gelingt es jedoch, Kräfte zu mobilisieren, um die Krise durchzustehen und durch zielgerichtetes Handeln zu meistern, können Fortschritt, Entfaltung sowie ein neuer Kontakt zu sich selbst und den Anderen die Folge sein. Oft mit dem Ergebnis inneren Wachstums und äußerer positiver Entwicklung.
Angst, Wut, Depression, Verzweiflung ... können Ausgangspunkt sein für Entfaltung und Reifung. Die Krise ist Teil des menschlichen Daseins, eingebettet in seine Dualität, Modell für das Abenteuer des Mensch-Seins an sich, das über seine Grenzen hinausweist und Neues wagt.
Hilfe suchen ist keine Schwäche. Nur im wechselseitigen Geben und Nehmen ist Leben möglich. Gleichgewicht ist die Basis für einen stabilen Kontakt. Beziehung kann wachsen. Nichts ist umsonst, alles findet Eingang in das, was entsteht.