KRISENDIENST | Presse

3. Mai 2018

Krisendienst Psychiatrie hilft seit einem Jahr Menschen in Südwest-Oberbayern

Große Freude bei den Mitwirkenden des Krisennetzwerkes im Südwesten-Oberbayerns.
(von links): Bezirksrat Thomas Schwarzenberger, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Regina Dupper, Leiterin Sozialpsychiatrischer Dienst Garmisch-Partenkirchen, Dr. Claudia Fischer, Teamleitung der Leitstelle Krisendienst Psychiatrie, Günter Kottek, Vorstand Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener (OSPE) Bad Tölz, hintere Reihe: PD Dr. Florian Seemüller, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Garmisch-Partenkirchen, Gerald Niedermeier, Geschäftsführer kbo-Lech-Mangfall-Kliniken. © Bezirk Oberbayern | Marlies Podechtl

„Wer die Nummer wählt, hat schon gewonnen“
809 Anrufe beim Krisendienst Psychiatrie im Südwesten Oberbayerns

0180 / 655 3000, täglich von 9 bis 24 Uhr: Der Krisendienst Psychiatrie ist im Südwesten Oberbayerns seit April 2017 erreichbar. Bis Dezember haben sich aus der Region 809 Menschen in seelischen Notlagen an den Krisendienst gewandt. „Alle haben schnelle, unbürokratische und wohnortnahe Hilfe erhalten“, sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. „Das zeigt: Wer die Nummer wählt, hat schon gewonnen.“

Im Südwesten Oberbayerns mit den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau, Miesbach, Bad-Tölz-Wolfratshausen und Landsberg am Lech (Region 17) besteht der Krisendienst seit April 2017. Bis Jahresende haben den Krisendienst 809 Hilfegesuche aus der Region erreicht. Die mobilen Einsatzteams führten 109 persönliche Kriseninterventionen – meist Hausbesuche – durch. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen waren es 67 Anrufe und 12 mobile Einsätze. 2017 zählte der Krisendienst in ganz Oberbayern 20.111 Anrufe und 1733 mobile Einsätze bei Personen in schweren Notlagen.

Zwangseinweisungen vermeiden
„Ein wichtiges Ziel der psychiatrischen Krisenhilfe ist es, stationäre Klinik-Aufenthalte und Zwangseinweisungen zu vermeiden“, erläuterte Bezirkstagspräsident Josef Mederer jetzt bei einem Pressetermin zum einjährigen Bestehen des Krisendienstes in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Garmisch-Partenkirchen. „Die Zahlen zeigen: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Es wurden bereits mehrere Zwangseinweisungen vermieden. Das ist ein großer Erfolg.“

Die Anrufe gehen zentral bei der Leitstelle ein. „Unsere Mitarbeiter hören zu, fragen nach, entlasten und klären mit dem Anrufer gemeinsam die Situation“, sagte Dr. Claudia Fischer, Psychologische Psychotherapeutin und Teamleitung in der Leitstelle. Die Leitstelle arbeitet mit den regionalen Sozialpsychiatrischen Diensten und mobilen Einsatzteams Hand in Hand. Fischer: „Unser wichtigstes Ziel ist es, im Gespräch mit den Anrufern gemeinsam Kräfte zu mobilisieren beziehungsweise darüber hinaus die passende fachliche Unterstützung zu finden.“

Netzwerk der Krisenhilfe
Ermöglicht wird dies durch ein breites Netzwerk an sozialpsychiatrischen Beratungsangeboten sowie ambulanten und stationären medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Im Südwesten Oberbayerns sind die Herzogsägmühle, die beiden Caritasverbände für München und Freising beziehungsweise Landsberg am Lech und die kbo-Lech-Mangfall-Kliniken mit ihren Psychiatrischen Institutsambulanzen und stationären Behandlungsangeboten Kooperationspartner. Bei den Sozialpsychiatrischen Diensten sind auch die Teams für die persönlichen Kriseninterventionen und Hausbesuche angesiedelt.

Depressionen, Psychosen, Angst- und Panikstörungen sowie Suizidgedanken: Laut der Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Garmisch-Partenkirchen, Regina Dupper, befassen sich die Krisenhelfer mit der ganzen Bandbreite seelischer Erkrankungen. „In schweren Notlagen sind wir innerhalb einer Stunde vor Ort“, erzählte Dupper. „Diese unkomplizierte und unbürokratische Hilfe ist für die betroffenen Menschen eine große Entlastung.“ Nur einmal habe das Einsatzteam bislang den Notarzt hinzuziehen müssen. Den Fall einer suizidgefährdeten jungen Frau konnte das Team beispielsweise mit Hilfe von ambulanten therapeutischen Terminen deeskalieren.
Hervorragende Zusammenarbeit
Die gute Kooperation des Netzwerkes lobte auch Dr. Florian Seemüller, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Garmisch-Partenkirchen. „Es ergeben sich durch die hervorragende Zusammenarbeit mit den Sozialpsychiatrischen Diensten neue unerwartete Synergien“, sagte Seemüller. Auch sei es mit Hilfe des Krisendienstes gelungen, die Schwelle zur Behandlung psychischer Störungen und Krisen erfolgreich weiter zu senken.

Auch Günter Kottek vom Vorstand der Oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener (OSPE) weiß aus eigenem Erleben, wie wichtig es ist, sich die richtige Hilfe zu holen. „Die Entscheidung, sich helfen zu lassen, fällt natürlich schwer.“ Damit es nicht zur Eskalation kommt, sollte man den rechten Moment für den Anruf beim Krisendienst wählen. Kottek: „Das ist der wichtigste Schritt, den meist die Angehörigen tun müssen. Nun sind sie mit dem Problem nicht mehr alleine. Ihnen stehen jetzt Menschen zur Seite, die genau dafür geschult sind. Dieser Einsatz kann auch schon der erste Schritt zur Genesung sein, so wie bei mir.“

7,4 Millionen Euro pro Jahr
Der Bezirk Oberbayern finanziert den Krisendienst mit rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr. Im Jahresverlauf 2017 verzeichnete die Leitstelle einen Anstieg der Anrufe um 42 Prozent – von 1392 Anrufen im Januar auf 1971 im Dezember.

Die Angebote werden stetig weiter verbessert: Seit 1. März können sich auch Kinder und Jugendliche in psychischen Notlagen sowie deren Eltern und weitere Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld an den Krisendienst wenden (siehe gesonderte Pressemeldung).