KRISENDIENST | Presse

1. April 2017

Krisendienst Psychiatrie für Südwesten Oberbayerns

0180 / 655 3000 – täglich von 9 bis 24 Uhr: Der Krisendienst Psychiatrie ist seit
1. April auch im Südwesten Oberbayerns erreichbar. Die Bürgerinnen und Bürger der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Landsberg am Lech können damit schnelle wohnortnahe Hilfe in seelischen Notlagen erhalten. Bei Bedarf sind in einer Stunde Krisenhelfer vor Ort, um akut belasteten Menschen beizustehen.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer nannte das neue Angebot bei einem Pressegespräch im Landratsamt Bad Tölz einen „Meilenstein“ für die wohnortnahe Versorgung psychiatrischer Notfälle. Der Bezirkstag von Oberbayern achte darauf, „dass die Lebensverhältnisse in Stadt und Land gleichwertig sind. Mit dem Krisendienst für ganz Oberbayern können jetzt endlich Menschen in akuten seelischen Krisen, die nicht in München leben, einen Hilferuf an eine Fachstelle richten.“ Die Betroffenen werden bei Bedarf ein passendes Hilfeangebot vermittelt – mit der bestmöglichen Wohnortnähe. „Dadurch machen wir hoffentlich viele Polizeieinsätze, wie sie in akuten Krisensituationen immer wieder passieren, überflüssig“, sagte Mederer weiter. „Das Wichtigste ist: Bloß nicht zu lange warten, bis man sich in einer Krise Hilfe holt.“

Der Bezirk Oberbayern investiert rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr in Aufbau und Betrieb des Krisendienstes Psychiatrie. Ausgelegt ist das Angebot auf jährlich bis zu 20.000 Anrufe aus ganz Oberbayern. Unter 0180 / 655 3000 nimmt die Leitstelle täglich von 9 bis 24 Uhr die Anrufe entgegen. Sie ist von Dr. Michael Welschehold geführt und für die Erstberatung mit der Koordinierung geeigneter Hilfen zuständig. „Bei uns liegt die zentrale Lotsenfunktion“, erklärte der Psychiater. „Wir hören zu, deeskalieren, beraten und vermitteln. Die Betroffenen wissen in ihrer Not am wenigsten, wo es passende Hilfe gibt.“
Denn: „Mit rechtzeitiger, verbindlich verfügbarer professionellen Hilfe können Eskalation und Gefährdung abgewendet werden.“

In den Landkreisen sind für die Krisenintervention unter anderem die Sozialpsychiatrischen Dienste (SpDi) zuständig. Dort sind auch die mobilen Einsatzteams für die Hausbesuche angesiedelt. Je nach Bedarf erfolgt die Krisenhilfe in Form von kurzfristig vereinbarten ambulanten Beratungsterminen bei einem SpDi, Kriseneinsätzen vor Ort oder ambulanter beziehungsweise stationärer klinisch-psychiatrischer Behandlung.

Der besondere Schwerpunkt liegt in der aufsuchenden Krisenhilfe. Sie wird durch ein breites Netzwerk von Diensten der Freien Wohlfahrtspflege durchführt. Ein Vor-Ort-Einsatz kann auch präventiv erfolgen, um die Zuspitzung einer Krise abzuwenden. Nach den bisherigen Erfahrungen des Krisendienstes in München ist bei etwa sieben Prozent der Krisenfälle ein Hausbesuch erforderlich. Die Einsatzteams haben werktags von 9 und 21 Uhr Rufbereitschaft, an Feiertagen und Wochenenden von 13 bis 21 Uhr.

Wichtige Netzwerkpartner im Südwesten Oberbayerns sind unter anderem die örtlichen Caritasverbände sowie Herzogsägmühle, Diakonie in München und Oberbayern. Aus Sicht von Michael Bräuning Edelmann, Fachbereichsleiter bei Herzogsägmühle, ist der Krisendienst ein „Schritt zu einer fundierten, umfassenden und bürgernahen Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen“. Für die betroffenen Menschen sei die Entlastung groß, „wenn innerhalb einer Stunde ein Krisenhelfer vor Ort ist und deeskaliert.“ Laut dem Bad Tölzer Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger verbessert sich künftig vor allem die Versorgung von Menschen in seelischer Not insbesondere an Abenden, Feiertagen und Wochenenden.

Der Aufbau des Krisendienstes erfolgt Zug um Zug: 3,5 Millionen Menschen in der Region München (Stadt München und sieben angrenzende Landkreise) sowie im Südosten Oberbayerns können den Krisendienst bereits erreichen. Nach der Freischaltung der südwestlichen Landkreise am 1. April steht abschließend die Region Ingolstadt an, die im Herbst 2017 ans Netz geht.

Der Sozial- und Gesundheitsausschuss des oberbayerischen Bezirkstags hatte den Aufbau des Krisendienstes im Juni 2015 beschlossen.