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Ab 1. Februar 2017: Krisendienst Psychiatrie für den Südosten Oberbayerns

24. Januar 2017

Krisendienst Psychiatrie für den Südosten Oberbayerns

Notrufnummer wird am 1. Februar freigeschaltet / Wohnortnahe Hilfe

0180 / 655 3000 – täglich von 9 bis 24 Uhr: Der neue Krisendienst Psychiatrie startet am 1. Februar im Südosten Oberbayerns. Für die Bürgerinnen und Bürger der Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim (Stadt/Landkreis) und Traunstein heißt das: schnelle wohnortnahe Hilfe in seelischen Notlagen. Bei Bedarf können in einer Stunde Krisenhelfer vor Ort sein, um akut belasteten Menschen beizustehen und passende Hilfe zu vermitteln.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer sagte bei der Vorstellung des Krisendienstes Psychiatrie im Haus der Berge in Berchtesgaden, das neue Angebot sei ein „Meilenstein“ für die wohnortnahe Versorgung psychiatrischer Notfälle. Der Bezirkstag achte darauf, „dass die Lebensverhältnisse in Stadt und Land gleichwertig sind. Mit dem Krisendienst für ganz Oberbayern können jetzt endlich auch Menschen in akuten seelischen Krisen, die nicht in München leben, einen Hilferuf an eine Fachstelle richten.“ Die Leitstelle vermittle den Betroffenen bei Bedarf ein passendes Hilfeangebot – mit der bestmöglichen Wohnortnähe. „Dadurch werden hoffentlich viele Polizeieinsätze, wie sie in akuten Krisenlagen immer wieder passieren, überflüssig“, sagte Mederer weiter. „Das Wichtigste ist: Bloß nicht zu lange warten, bis man sich in einer Krise Hilfe holt.“

Das bestätigte auch Alexander Huber aus Berchtesgaden, der als ehrenamtlicher Fürsprecher den Krisendienst Psychiatrie unterstützt. Der Bergsteiger hat vor einigen Jahren selbst eine seelische Krise in Form einer Angststörung durchlebt. Sich Hilfe zu holen, so Huber, „war die beste Entscheidung meines Lebens“. Denn: „Wenn man einen Berg besteigen will, bringt es nichts, immer nur um den Berg herumzulaufen. Irgendwann muss man den Berg angehen. Gleiches gilt auch für Krisen im Leben. Wenn man merkt, dass es einem nicht gut geht, sollte man selbst aktiv werden und sich helfen lassen.“

Der Bezirk Oberbayern investiert rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr in Aufbau und Betrieb des Krisendienstes Psychiatrie. Ausgelegt ist das Angebot auf jährlich bis zu 20.000 Anrufe aus ganz Oberbayern. Es entstehen 88 neue Stellen in der Leitstelle und bei den regionalen Sozialpsychiatrischen Diensten (SpDi). Dort sind auch die mobilen Einsatzteams für Hausbesuche angesiedelt.

Die Leitstelle nimmt unter 0180 / 655 3000 täglich von 9 bis 24 Uhr Anrufe entgegen. Sie ist von Dr. Michael Welschehold geführt und für die Erstberatung mit der Koordinierung geeigneter Hilfen zuständig. „Bei uns liegt die zentrale Lotsenfunktion“, erklärte der Psychiater. „Wir hören zu, deeskalieren, beraten und vermitteln. Die Betroffenen wissen in ihrer Not am wenigsten, wo es passende Hilfe gibt.“

In den Landkreisen sind für die Krisenintervention unter anderem die Sozialpsychiatrischen Dienste und Psychiatrischen Institutsambulanzen zuständig. Je nach Bedarf erfolgt die Krisenhilfe in Form von kurzfristigen ambulanten Beratungsterminen bei einem Sozialpsychiatrischen Dienst, Kriseneinsätzen vor Ort oder ambulanter beziehungsweise stationärer klinisch-psychiatrischer Behandlung.

Der besondere Schwerpunkt liegt in der aufsuchenden Krisenhilfe. Sie wird durch ein breites Netzwerk von Diensten der Freien Wohlfahrtspflege organisiert und durchführt. Ein Vor-Ort-Einsatz kann auch präventiv erfolgen, um die Zuspitzung einer Krise abzuwenden. „Eine frühzeitige Krisenintervention kann dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte deutlich zu verkürzen oder ganz zu vermeiden“, sagte Prof. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.

Nach den bisherigen Erfahrungen des Krisendienstes in München ist bei etwa sieben Prozent der Krisenfälle ein Hausbesuch erforderlich. Die Einsatzteams, die für die Hausbesuche ausrücken, haben täglich von 9 und 21 Uhr Rufbereitschaft. „Unsere Krisenhelfer haben die Aufgabe, möglichst passgenau und lückenlos zu den geeigneten Hilfestellen hinzuführen“, schilderte Hermann Däweritz vom Diakonischen Werk Traunstein, der den Krisendienst im Auftrag des Bezirks Oberbayern im Südosten aufbaut. „Die Einsatzteams können innerhalb einer Stunde vor Ort sein und seelisch akut belasteten Menschen helfen.“

Der Aufbau erfolgt Zug um Zug: 2,8 Millionen Menschen der Region München (mit Stadt München und sieben angrenzenden Landkreisen) können den Krisendienst bereits erreichen. Im April 2017 wird der Südwesten Oberbayerns aufgenommen. Im Herbst 2017 folgt zum Abschluss die Region Ingolstadt. Den Beschluss zur Aufbau des Krisendienstes Psychiatrie hatte der Sozial- und Gesundheitsausschuss des oberbayerischen Bezirkstags im Juni 2015 gefasst. Kontakt für die Medien:

Constanze Mauermayer, Pressestelle, 089 2198-90011, constanze.mauermayer@bezirk-oberbayern.de

PM_Krisendienst_BGL_24012017

PM_Krisendienst_RO_24012017